Artikel
Verabschiedung eines Mitarbeitenden – so gestalten Sie eine optimale Abschiedsrede
Für Mitarbeitende gibt es eine Vielzahl an Gründen, das Unternehmen zu verlassen. Zu den häufigsten Ursachen zählen der Ruhestand und ein Jobwechsel. Unabhängig von den Beweggründen der Person sollten Arbeitgebende deren Leistungen mit einer Rede würdigen. Eine Verabschiedungsrede vom Chef ist für viele Mitarbeitende eine große Ehre. Gleichzeitig bietet der Anlass Ihnen die Möglichkeit, in guter Erinnerung zu bleiben. Dies ist für die Stimmung unter der verbliebenen Belegschaft wichtig und kann sich positiv auf das Employer Branding auswirken.
Im folgenden Beitrag erhalten Sie Einblick in den Zweck und die Struktur einer Rede zum Abschied von Mitarbeitenden. Zudem erfahren Sie, welche Fehler es zu vermeiden gilt. Zum Schluss erhalten Sie ein Muster für eine gelungene Ansprache, die Sie zur Ausarbeitung Ihrer eigenen Rede nutzen können.
Inhaltsverzeichnis
Etablieren Sie eine Abschiedskultur: Drei Aspekte einer gelungenen Rede zum Abschied von Mitarbeitenden
Bevor Sie sich mit der Themenfindung und inhaltlichen Ausgestaltung Ihrer Abschiedsrede befassen, sollten Sie einen Blick auf die wesentlichen Faktoren werfen. Hierbei handelt es sich um drei Fragestellungen, die Sie vorab beantworten sollten.
Zweck: Was ist der Anlass der Rede?
Halten Sie sich den Anlass für die Ansprache vor Augen. Dies hilft Ihnen bei der Themenfindung. Geht die Person in den Ruhestand, stellt der Abschied aus deinem Unternehmen gleichzeitig einen Abschied aus dem Arbeitsleben dar. Die persönlichen Ziele von Mitarbeitenden können Ihnen gut als Inspiration für Ihre Rede dienen.
Wechselt die Person den Job oder Arbeitgeber:in, können Sie in Ihrer Rede vermehrt auf deren besondere Leistungen in Ihrem Unternehmen fokussieren. Dasselbe gilt für Mitarbeitende, die aufgrund einer Kündigung Ihrerseits gehen.
Ziel: Wie soll die Rede den Zuhörern in Erinnerung bleiben?
Trotz des beruflichen Settings sollte das Ziel Ihrer Abschiedsrede als Chef an Mitarbeitende die Emotionen des Publikums wecken. Bedenken Sie: Eine Ansprache ist ein Dialog, in den die Zuhörer mit einer bestimmten Erwartungshaltung gehen. Ihr Ziel sollte sein, dieser Erwartung zu entsprechen. Grundsätzlich sollte Ihre Ansprache angenehme Empfindungen wecken und allen Anwesenden in guter Erinnerung bleiben.
Wichtig: Die Verabschiedungsrede vom Chef nimmt in vielen Unternehmen den Charakter einer Grabrede an. Vermeiden Sie dies, indem Sie auf Sentimentalitäten und Bedauern verzichten. Besser ist, die gemeinsame Zeit in Ihrer Rede zu würdigen und den Blick auf die Zukunft zu richten.
Inhalt: Welches grundlegende Thema soll in der Rede vorkommen?
Eine Rede zu einem feierlichen Anlass vorzubereiten, ist nicht in fünf Minuten erledigt. Es bedarf einer intensiven Planung, die unter anderem die Themenfindung beinhaltet. Hierfür benötigen Sie verschiedene Informationen zum bzw. zur Mitarbeitenden. Diese können Sie in Ihrer Abschiedsrede einbauen, um sie individueller zu gestalten.
Diese Informationen benötigen Sie:
- Eintrittsdatum und Position des/der Mitarbeitenden.
- Nennenswerte Projekte, an denen die Person mitgearbeitet hat.
- Herausforderungen, die mithilfe der Person überwunden werden konnten.
- Besonderheiten der Person als Kolleg:in, Vorgesetzte:r und Mensch.
- Weisheiten, Denkansätze oder andere Merkmale, die nach dem Ausscheiden der Person im Unternehmen erhalten bleiben sollen.
Die Daten aus der Personalabteilung sind nur bedingt nutzbar. Hilfreicher ist es, an Ihre eigene Erfahrungen mit dem/der Mitarbeitenden zurückzudenken. Zudem sollten Sie die Personen befragen, die eng mit dem zu verabschiedenden Mitarbeitenden zusammengearbeitet haben.
Stimmen Sie Ihre Abschiedsrede als Chef:in an Ihre Mitarbeitenden auf den Anlass ab
Nichts langweilt die Zuhörer mehr als eine allgemein gehaltene Rede mit leeren Phrasen. Achten Sie daher darauf, Ihre Ansprache individuell zu gestalten. Auf diese Weise bringen Sie auch Ihre Wertschätzung und Anerkennung für die Person zum Ausdruck, denn die persönliche Abstimmung der Rede nimmt Zeit in Anspruch.
Ebenfalls wichtig ist, den Grund für das Ausscheiden von Mitarbeitenden zu berücksichtigen. Eine Abschiedsrede zum Ruhestand unterscheidet sich von einer Rede zum unfreiwilligen Abschied. Beweisen Sie Feingefühl, indem Sie dies bei der Gestaltung Ihrer Ansprache berücksichtigen.
Hierfür ein kleiner Leitfaden:
Bei diesem Anlass bildet das Ende des Arbeitslebens gleichzeitig den Anfang des Ruhestands. Dies sollte Ihre Rede widerspiegeln. Vor allem bei langjährigen Mitarbeitenden sollten Sie den Abdruck hervorheben, den diese im Unternehmen hinterlassen haben. Ein guter Aufhänger für das Hauptthema Ihrer Rede sind die privaten Ziele, denen sich die Person während des Ruhestands widmen möchte.
Auch in diesem Fall sollten Sie die Erfolge der Person in Ihrer Verabschiedungsrede als Chef:in betonen. Eine berufliche Neuorientierung stellt einen Umbruch dar, der sich mit dem „Segen“ des bisherigen Arbeitgebenden leichter bewältigen lässt. Umso wichtiger für Sie, einen guten Eindruck bei Mitarbeitenden zu hinterlassen.
Vielen Vorgesetzen fällt es in dieser Situation schwer, eine Abschiedsrede zu verfassen. Doch insbesondere in diesem Fall ist eine angemessene Verabschiedung wichtig – auch wenn Mitarbeitende zur direkten Konkurrenz abwanderen. Bedenken Sie: Mitarbeitende wechseln meist nicht aus reiner Boshaftigkeit zum Mitbewerb. Statt in Unmut zu verfallen, sollten Sie dies als Anlass zur Reflektion nutzen. Auch solch eine Person hat somit eine gewissenhaft vorbereitete Rede zum Abschied verdient.
Dies ist eine heikle Situation, sofern die Entlassung auf betrieblichen Rationalisierungsmaßnahmen basiert. Das Thema Ihrer Rede sollten Sie mit Bedacht wählen. Stellen Sie die Bedeutung der Leistungen des/der Mitarbeitenden für die Zukunft Ihres Unternehmens zu sehr in den Vordergrund, könnte dies hämisch wirken. Nehmen Sie sich bei Ihrer Rede für diesen Anlass daher viel Zeit für die Vorbereitung.
Mit dieser Struktur wird Ihre Abschiedsrede zum Erfolg
Sie wissen nun, wie Sie Ihre Rede mit den richtigen Inhalten füllen. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Struktur. Für das Publikum und die zu verabschiedenden Mitarbeitenden ist eine unstrukturierte Rede ein Indiz für schlechte Vorbereitung. Der Inhalt kann diesem negativen Eindruck nicht entgegenwirken. Aus diesem Grund sollten Sie sich an der klassischen Textstruktur orientieren.
Diese besteht aus:
- Einleitung
- Hauptteil
- Schluss
Während die Einleitung das Interesse der Zuhörer:innem weckt, geht der Hauptteil näher auf das angedeutete Thema Ihrer Rede ein. Im Schluss können Sie das Gesagte kurz zusammenfassen und dem/der Mitarbeitenden Ihre besten Wünsche mit auf den Weg geben oder ein Geschenk überreichen.
In den ersten Minuten Ihrer Ansprache ist es wichtig, die Aufmerksamkeit der Anwesenden zu gewinnen. Hierfür sind nicht nur Ihre Worte ausschlaggebend. Auch Mimik, Gestik und Körperhaltung entscheiden darüber, ob sich das Publikum langweilt oder interessiert zuhört. Fangen Sie im Idealfall mit einem Paukenschlag an. Forderen Sie hierfür beispielsweise zum Applaus auf oder setzen Sie zu Beginn einen Lichteffekt ein. Dies markiert den Beginn Ihrer Rede.
Beispiel für die Abschiedsrede
Sie wissen nun, welche inhaltlichen Punkte in eine gute Abschiedsrede gehören und wie Sie sie optimal strukturieren. Nun gilt es, dies in die Praxis zu übertragen und die Themenpunkte mit Text zu füllen. Im Anschluss sollten Sie sich das Geschriebene von einer anderen Person vorlesen lassen. Durch diese Methode fallen Fehler in der Formulierung oder überlange Textpassagen besser auf. Alternativ können Sie die Vorlesefunktion Ihres Textprogramms nutzen.
Falls Ihnen die nötige Inspiration fehlt, lohnt sich ein Blick auf Abschiedsreden mit Beispielen für die jeweiligen Abschnitte. Im Folgenden erhalten Sie Einblick in ein solches Muster. Nutzen Sie die Inhalte lediglich als Orientierung und passen Sie sie an – Ihre Rede zum Abschied sollte stets individuell sein.
Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ich begrüße Euch zu diesem besonderen Anlass. Am heutigen Tage möchten wir uns die Zeit nehmen, um unseren geschätzten Mitarbeiter Herr Schneider gebührend zu verabschieden. Ich freue mich, Frau Müller aus unserer Zweigstelle in Spanien sowie unseren ehemaligen Gesellschafter Herrn Meyer zu dieser Feier empfangen zu dürfen. Herr Schneider wird das Unternehmen verlassen und sich in den wohlverdienten Ruhestand begeben. Vorab möchten wir die Zeit mit ihm noch einmal Revue passieren lassen. Ein Moment wie dieser ist ebenso erinnerungswürdig wie einzigartig – und somit in jedem Fall einen Applaus wert.
Tipp: Fassen Sie die Begrüßung möglichst kurz und forderen Sie galant zum Applaudieren („Paukenschlag“) auf. Dies setzt den passenden Rahmen für den Beginn Ihrer Rede.
Der berühmte französische Philosoph Michel de Montaigne sagte einst: „Ein Abschied verleitet immer dazu, etwas zu sagen, was man sonst nicht ausgesprochen hätte.“ Diese Erkenntnis überkam auch mich bei der Vorbereitung auf diese Rede. Herr Schneider arbeitete 35 Jahre in unserem Unternehmen, was könnte in dieser Zeit ungesagt geblieben sein? – fragt Ihr euch jetzt sicher. Ihr dürft gespannt bleiben.
Tipp: Verwenden Sie Zitate mit einer positiven Botschaft und nur solche, die zu Ihrem Hauptthema passen.
Während seiner Zeit im Unternehmen pflegten Herr Schneider und ich einen täglichen Austausch. So ist es kaum verwunderlich, dass wir uns noch kurz vor dem Beginn dieser Veranstaltung sprachen. Ich fragte ihn, mit welchen Gefühlen er auf seine 35 Jahre als Abteilungsleiter des Einkaufs in unserem Unternehmen zurückblickt. „Mit Verwunderung darüber, wie schnell die Zeit vergeht“ – antwortete er. Nun, an Zeit wird es Herrn Schneider in seinem anstehenden Ruhestand nicht mangeln. Und wie er mit verriet, möchte er diese größtenteils auf Reisen in seinem Wohnmobil verbringen. Sein Ziel ist, alle Kontinente mit seinem treuen Gefährt zu besuchen. Ich empfinde diesen Plan als passend, prägte Herr Schneider die Einkaufsabteilung unser Unternehmen doch mit seiner Fähigkeit, das scheinbar Unmögliche möglich zu machen.
Tipp: Gehen Sie in der Überleitung auf den/die zu verabschiedenden Mitarbeitende:n ein und reißen Sie Ihre Rolle im Unternehmen an. Falls Sie private Hobbys oder zukünftige Ziele kennen, können Sie diese ebenfalls einbauen.
„Spätestens bis zum Ende des Jahres wird das Unternehmen XYZ zu unseren Stammlieferanten zählen!“ Als ich diesen Satz von Herrn Schneider im Juli vor acht Jahren hörte, dachte ich an eine Verwechslung. Immerhin ging es um einen der größten Lieferanten der EU, der ebenso bedeutsam wie schwer zu gewinnen war. Unsere geplanten Abnahmemengen waren ihm schlicht zu niedrig. Was tun? Dieser Frage begegnete Herr Schneider stets mit Gelassenheit. Mit seinem besonnenen Gemüt und seinem ausgeprägten Gespür für die Denkweise seines Gegenübers, prägte er die Verhandlungstaktik seiner Teammitglieder. Er sicherte uns Lieferanten, die schwer von unseren vergleichsweise niedrigen Abnahmemengen zu überzeugen waren. Handelte Einkaufspreise aus, die unerreichbar schienen. Und so verwundert es Euch nun sicher kaum, wenn ich Euch verrate, dass das eingangs erwähnte Unternehmen XYZ heute unser wichtigster Lieferant ist. Ziel festlegen, den Weg abstecken und losfahren: Es ist dieser Wagemut, den Herr Schneider in unserem Unternehmen hinterlässt.
Tipp: Die Anekdoten sollten stets einen Bezug zum grundlegenden Thema Ihrer Rede haben und ein positives Ereignis wiedergeben.
Für die Jüngeren unter Euch mag es kaum zu glauben sein, doch zu Beginn unserer 35-jährigen Unternehmensgeschichte bestand die Einkaufsabteilung nur aus einer Person: Herrn Schneider. Trotz seines hohen Engagements erkannte er schnell, dass ein Ausbau der Abteilung erfolgsentscheidend sein würde. Unter seiner Leitung wuchs der Einkauf auf ein Team, zu dem heute 50 Personen zählen. Darüber hinaus setzte er sich für die Digitalisierung unserer Einkaufsprozesse ein, was in einer Kostensenkung dieses Bereichs von 50 % mündete. Sein größter Erfolg – und da wird mir Herr Schneider sicher zustimmen – ist jedoch die neue Generation ambitionierte Einkäuferinnen und Einkäufer, die dank Herrn Schneider als Mentor selbst harte Verhandlungsgespräche souverän meistern.
Tipp: Vermeiden Sie, die gesamte berufliche Laufbahn der zu verabschiedenden Person in epischer Länge wiederzugeben. Fokussieren Sie sich vielmehr auf die Höhepunkte und erinnerungswürdige Meilensteine.
Dem Drang, stetig neue Ziele anzusteuern, kann Herr Schneider nun in seinem wohlverdienten Ruhestand nach Herzenslust ausleben. Sein Ansatz für erfolgreiche Verhandlungsgespräche und seine Offenheit für Neues wird als zukunftsweisendes Mindset in unserem Unternehmen verbleiben. Wenn ich auf 35 Jahre enger Zusammenarbeit mit Herrn Schneider zurückblicke, kommt mir ein bestimmtes Wort in den Sinn. Eines, das wie im eingangs erwähnten Zitat von de Montaigne öfter gedacht als ausgesprochen wurde: Danke! Danke Herr Schneider für 35 Jahre Treue und Engagement. Danke für 35 Jahre als gutes Vorbild, zuverlässiger Kollege und geschätzter Mitarbeiter. Der Mann, der uns so sicher zu immer neuen Zielen navigierte, wird dies nun auf seinen privaten Abenteuern tun. Wir alle würden uns freuen, wenn er Zeit findet, seine Erlebnisse mit uns zu teilen.
Tipp: Nehmen Sie in diesem abschließenden Abschnitt erneut Bezug auf die persönlichen Pläne der Person und betonen Sie, wie sie Ihnen und der übrigen Belegschaft in Erinnerung bleiben wird.
Nun möchten wir „Auf Wiedersehen“ sagen und Ihnen, Herrn Schneider, Dir Bernd, alles Gute für die kommende Zeit wünschen. Zu dem feierlichen Anlass haben wir ein Geschenk vorbereitet: Eine Weltkarte, mit einem Foto der gesamten Belegschaft als Hintergrund. Möge sie zu unbekannten Orten und neuen Abenteuern führen.
Tipp: Sprechen Sie die zu verabschiedende Person zum Ende der Rede direkt an. Falls ihr Euch geduzt habt, können Sie dies galant einbauen.
Die Abschiedsrede ist kein Mitarbeitergespräch
Ein abschließender Tipp ist, die Rede zum Abschied von Mitarbeitenden nicht in eine finale Abrechnung zu verwandeln. Dies wirkt selbstverständlich, ist in der Realität aber der häufigste Grund für eine misslungene Rede. Ihr Ziel sollte sein, nicht nur der zu verabschiedenden Person in angenehmer Erinnerung zu bleiben. Auch die übrigen Anwesenden sollten mit einem guten Gefühl aus der Veranstaltung gehen.
Verzichten Sie in Ihrer Rede daher auf Vorwürfe, Anschuldigungen und die minutiöse Ausbreitung vergangener Fehler – auch und besonders dann, wenn die Zusammenarbeit problematisch war. Die Abschiedsrede an Mitarbeitende ist in dem Fall eine gute Gelegenheit, Größe zu beweisen. Andernfalls entsteht bei den verbliebenen Mitarbeitenden die Angst, am letzten Tag selbst vor der gesamten Belegschaft bloßgestellt zu werden. Dies kann dem Betriebsklima nachhaltig schaden oder im schlimmsten Fall zu einer Kündigungswelle führen. Fokussieren Sie sich in Ihrer Rede daher auf das Positive und lassen Sie Ihren Unmut außen vor.